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Jänner 2008

Studie: Pharmafirmen geben mehr Geld für Marketing als für Forschung aus

US-Pharmaindustrie bekommt Image-Probleme nicht in den Griff

Nach einer Studie in Public Library of Science Medicine (2008, 5(1): e1 doi:10.1371/journal.pmed.0050001) gibt die amerikanische Pharmaindustrie möglicherweise doppelt so viel Geld für das Marketing aus wie für die Entwicklung neuer Medikamente. Ein Großteil der Gelder fließt in kostenfreie Arzneimittelproben, die nach einer anderen Studie im American Journal of Public Health (2008, 10.2105/AJPH.2007.11424) keineswegs die ärmeren Bevölkerungsschichten erreicht, wie dies die Industrie behauptet. Das berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online, 7. Jänner 2008). Hersteller von US-Pharmaunternehmen nutzen ausgiebig die Möglichkeiten, den eigenen Marktanteil durch den Besuch von Pharmareferenten und die unentgeltliche Abgabe von Medikamentenproben zu steigern. Der Industrieverband Pharmaceutical Research and Manufacturers of America (PhRMA) ist sich des daraus resultierenden „Image“-Problems bewusst und legt Wert darauf, dass die Ausgaben für die Forschung und Entwicklung (research and development, R&D) neuer Medikamente höher seien als die Marketingausgaben. Im Jahr 2004 hätten laut PhRMA US-Pharmaunternehmen knapp 30 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung, aber nur 28 Milliarden für alle Marketing-Aktivitäten ausgegeben, so die gute Nachricht. Studienleiter Marc-André Gagnon und Joel Lexchin von der York-Universität in Toronto/Kanada kamen jedoch aufgrund eigener Recherchen, bei denen sie Daten der Firma CAM nutzten (ein international tätiges Marktforschungsinstitut), zu anderen Werten. Danach investierten die US-Pharma-Unternehmen im Jahr 2004 insgesamt 57,5 Milliarden Dollar ins Marketing, wenn man alle relevanten Posten mit einberechnet: durch kostenlose Weitergabe von Produkten an Ärzte und Kliniken, durch Anzeigen und TV-Spots, Briefe, Referenten-Besuche bei Ärzten, Seminare und Kongresse zur Vorstellung neuer Medikamente. Für Forschung und Entwicklungsausgaben betrugen die Ausgaben hingegen 31,5 Milliarden Dollar, also etwas mehr als die Hälfte der Werbungskosten. Von 235 Milliarden Dollar Umsatz wurden also 2004 nur 13 Prozent in Forschung und Entwicklung, jedoch 24 Prozent in Marketing-Aktivitäten investiert. Der Verband PhRMA hat diese Zahlen auf seiner Internetseite nicht kommentiert.

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