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Februar 2008

Studie: Pharmamarkt zeigt kein Interesse für schwangerschaftsbedingte Krankheiten

Wissenschaftler fordern mehr Investition in Gesundheit von werdenden Müttern

Der Arzneimittelmarkt hat kein Interesse an Produktentwicklung für die Bedürfnisse schwangerer Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Forschern des Imperial College London, das in der Public Library of Science publiziert wurde (PLoS Med 2008, 5(1): e22). Weltweit sterben jährlich eine halbe Million Frauen während der Schwangerschaft. Sieben Millionen Babys sterben jedes Jahr vor oder kurz nach der Geburt, 99 Prozent davon in Entwicklungsländern. Zu den UN-Zielen zählt es, bis 2015 die Mütter- und Kindersterblichkeit um 75 bzw. 66 Prozent zu senken. Die Wissenschaftler des Imperial College London analysierten Daten zu mehr als 37.000 Medikamenten, deren Entwicklung seit 1981 in der so genannten Pharmaprojects database dokumentiert wurde. Diese listet alle in Entwicklung befindlichen Arzneimittel, die auf Webseiten von Pharmaunternehmen genannt bzw. in registrierten Studien getestet wurden oder auf Konferenzen bzw. in der Datenbank PubMed Erwähnung fanden, berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online, 25. 01. 2008). Das Ergebnis war ernüchternd: Die Arbeitsgruppe fand lediglich 17 Arzneimittel für werdende Mütter, die sich zum November 2007 in der Entwicklung befanden. Dies entspricht weniger als drei Prozent dessen, was sich im Bereich der kardiovaskulären Gesundheit in der Vorbereitung befindet (660 Arzneimittel) und der Hälfte der Forschung nach Arzneimitteln gegen amyotrophische Lateralsklerose (34 Mittel). Als mögliche Gründe führen die Autoren die hohen Entwicklungskosten, Angst vor Risiko und den geringen Absatzmarkt an. Der Gynäkologe Nicholas M. Fisk und seine Kollegen bezeichnen die Schwangerschaft als praktisch „pharmafreie Zone“, da in diesem Bereich in den vergangenen 20 Jahren nur eine neue Klasse von Medikamenten (Wehenhemmer Atosiban zur Verhinderung von Frühgeburten) auf dem Markt erschienen sei. Sie fordern dazu auf, Anreize für Pharmaunternehmen zu schaffen, auf diesem Gebiet weiterzuforschen. „Nimmt man die inakzeptabel hohe Zahl von mütterlichen und perinatalen Todesfällen, ist es höchste Zeit, diesen Missstand zu beheben“, betonen die Autoren.

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