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April 2008

Embryonenforschung: Deutschland liberalisiert Stichtagsregelung

Stammzellen, die bis zum 1. Mai 2007 im Ausland gewonnen wurden, dürfen verwendet werden

Am 11. April 2008 ist in Deutschland eine Grundsatzentscheidung gefallen: Der Bundestag votierte mit 346 gegen 228 Stimmen dafür, den Stichtag für den Import von Stammzellen aus dem Ausland „einmalig“ zu verschieben, um in Hinkunft Stammzellen aus „frischeren“ Embryonen verwenden zu dürfen. Bislang durften Forscher in Deutschland nur Stammzellen verwenden, die vor dem Stichtag 1.  Jänner 2002 im Ausland gewonnen wurden, nun gilt die Frist „vor dem 1.  Mai 2007“. Die Wogen gingen bis zuletzt hoch, der Fraktionszwang wurde für die Abstimmung aufgehoben. Für Österreich muss das Beispiel Deutschlands Signalwirkung haben, erklärt IMABE-Geschäftsführer Enrique Prat in einem Gastkommentar in der Presse (Der Embryo als Galionsfigur im Streit ums Geld, online, 15. 04. 2008). Eines sei nämlich klar geworden: „Wer einmal die Verwendung von Embryonen für Forschungszwecke gebilligt hat, hat den Rubikon überschritten und steht unter Zugzwang, weitere Lockerungen zuzulassen.“ Wissenschaftlich gäbe es jedoch klare Alternativen: Adulte Stammzellen sind ethisch unbedenklich und heilen heute schon, die embryonalen würden wider besseres Wissen immer noch als viel versprechend dargestellt. Auch die erfolgreiche Erzeugung von induzierte pluripotente Stammzellen (iPSZ), also reprogrammierte humane adulte Stammzellen, die die Eigenschaften von embryonalen aufweisen, haben das Blatt positiv gewendet. Die Forschung an humanen embryonalen Stammzellen (hESZ) ist so gesehen überflüssig geworden. Dieser Ansicht seien auch private Investoren, die sich angesichts der dürftigen Ergebnisse der humanen, als Heilsweg propagierten ES-Zellen kalte Füße geholt haben und sich aus dem Geschäft zurückziehen. Es könne nicht sein, dass sich Politiker von jenen einschüchtern lassen, „die immer noch das Um und Auf in jener Stammzellenforschung sehen, die den Verbrauch von Embryonen einschließt“. Die „permanente Wiederholung der Aussage, dass diese Forschung der Königsweg sei, macht sie nicht wahrer. Sie bleibt ein Trampelpfad, in dessen Morast die Ethik auf der Strecke bleibt“, resümiert Prat.

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