Bioethik aktuell

Imago Hominis: Über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion

Über die rationale Verbundenheit von Naturwissenschaft und Religion

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Der Vorwurf, das Christentum bzw. die Kirche sei wissenschaftsfeindlich, ist relativ jung, er traf mit aller Wucht und sitzt bis heute tief. Dabei hatte das Christentum als eine im Logos fundierte Religion, die den Mythos hinter sich ließ, zu einer historisch einzigartigen Entwicklung der Naturwissenschaften geführt. Anlass genug, im Jubiläumsjahr 2009 (Darwin, Galilei und Kepler wurden heuer geehrt) im Rahmen der neuen Ausgabe von Imago Hominis das Verhältnis von „Naturwissenschaft und Religion“ eingehender zu behandeln.

Während „plumpe Zusammenstöße“ (G. K. Chesterton) historisch überwunden scheinen, wird das gespaltene Verhältnis der modernen Wissenschaften zur Religion aber auch zu sich selbst, zunehmend problematisch: Die Naturwissenschaften nehmen den Platz von Welterklärungsmodellen mit quasi-religiösen Zügen an, „Heilsversprechungen“ durch Technik und Fortschritt begründen jedoch keine Ethik. Die Folge dieser (negierten) Grenzen der Wissenschaft, so Helmuth Kohlenberger (Philosoph, Koblenz), kippt in eine „Angst vor Wissenschaft“. Reinhold Knoll (Soziologe, Wien) beleuchtet die Dominanz der Naturwissenschaften, unter der alle anderen Wissensformen unter Druck geraten sind. Davon ist auch die Theologie betroffen. Mit der Verkürzung der „Religion“ auf eine Privatangelegenheit geht die wachsende Unverbindlichkeit moralischer Wertbestimmungen in der Gesellschaft einher. Roman Siebenrock (Theologe, Innsbruck) analysiert das Wesen und die Grenzen des Erkennens selbst und fragt nach den Bedingungen einer neu gestellten Gottesfrage. Einen lohnenden Überblick über den historischen Beitrag der Kirche und sogenannter „katholischer Wissenschafter“ für die naturwissenschaftliche Forschung bietet Alkuin Schachenmayer (Kirchenhistoriker, Heiligenkreuz) und beleuchtet damit ein oft verdrängtes Kapitel der Wissenschaftsgeschichte. Günther Pöltner (Philosoph, Wien) nimmt am Beispiel der Neurobiologie, deren einige Vertreter den freien Willen des Menschen verneinen, die inneren Widersprüche dieser Theorie kritisch unter die Lupe. Anhand anthropologisch-philosophischer Aussagen von Hirnforschern zeigt sich, wie wissenschaftliche Hypothesen zur Weltanschauung mutieren. Die Imago Hominis-Ausgabe 4/2009 mit dem Schwerpunkt „Naturwissenschaft und Religion“ findet sich unter http://www.imabe.org/index.php?id=imagohominis und kann als Einzelheft um EUR 10,- bezogen werden.

Institut für Medizinische
Anthropologie und Bioethik
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