Enrique H. Prat de la Riba wurde am 6. November 1943 in Spanien geboren. Er studierte Nationalökonomie, Soziologie und Philosophie an der Universität Madrid, absolvierte Studienaufenthalte in Wien, Köln und London und wurde 1977 in Madrid promoviert. Seit den frühen 1960er Jahren in Österreich tätig, war er 1987 Gründungsmitglied von IMABE und blieb dem Institut bis zuletzt verbunden: von 1988 bis 2023 als Generalsekretär, danach als Senior Advisor. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg hat er das Profil des Instituts als interdisziplinäre, unabhängige Stimme in der medizinischen Ethik entscheidend mitgeformt.
Ein breites wissenschaftliches Werk
Prat veröffentlichte zahlreiche Bücher und Artikel, stets an der Schnittstelle von Medizin, Philosophie und Gesellschaft. Zu seinen wichtigsten Buchpublikationen zählen der von ihm gemeinsam mit Johannes Bonelli herausgegebene Band Leben – Sterben – Euthanasie? (Springer Verlag, 2000) sowie Ärztliche Aufklärungspflicht und Haftung (Springer Verlag, 1998, mit Theo Mayer-Maly). Daneben edierte er Kurswechsel oder Untergang. Die ökologische Rettung der Natur (Peter Lang, 1994), Ökonomie, Ethik und Menschenbild (Fassbaender Verlag, 1993) sowie Mathematik und Quantenphysik in unserem Denk- und Wertesystem (Hölder-Pichler-Tempsky, 1992).
In der Zeitschrift Imago Hominis, deren Mitherausgeber er war, erschienen über die Jahre Dutzende Beiträge aus seiner Feder – zu Themen wie Patientenautonomie, Sterbehilfe, Stammzellforschung, Pharmaindustrie und Demenz. Er schrieb regelmäßig für die Österreichische Ärztezeitung, Die Presse, die Wiener Zeitung und Die Tagespost. Zuletzt erschienen 2020 seine 15 ethischen Fragen zur Corona-Krise in Imago Hominis – ein Beitrag, der breite Resonanz fand.
Lehre und internationale Vernetzung
Als Gastprofessor lehrte Prat Ethik im Gesundheitswesen an der Paris Lodron-Universität Salzburg (2009 und 2011) und an der Universität Linz (Wintersemester 2008/09). Von 2005 bis 2011 war er Mitglied des Instituts für Public Health der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität und seit 2007 Mitglied des internationalen Beirats der IESE Business School in München. Auf internationalen Kongressen vertrat er IMABE als Stimme der Wiener Bioethik.
Einsatz über die Wissenschaft hinaus
Prat beschränkte sich nicht auf akademische Arbeit. Er war Mitgründer des Vereins AMAL – Hoffnung für Flüchtlinge, der sich zwischen 2015 und 2020 mit rund 150 Ehrenamtlichen für die Integration syrischer Familien in Wien einsetzte und mehr als 650 Menschen begleitete.
IMABE verdankt Enrique Prat seinen institutionellen Aufbau, seine wissenschaftliche Stimme und sein gesellschaftliches Gewissen. Wir werden ihn in tiefer Dankbarkeit in Erinnerung behalten.