Bioethik aktuell

Pflege: In Österreich fehlen bis 2030 rund 24.000 zusätzliche Pflegekräfte

Experten fordern angesichts des drohenden Kollapses bessere Rahmenbedingungen

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Der Bedarf an Personal im Bereich der mobilen und stationären Pflege und Betreuung steigt in Österreich in den kommenden Jahrzehnten stark an. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) hervor. Bis 2030 werden rund 24.000 (Vollzeitäquivalente: 18.000) und bis 2050 79.000 (Vollzeitäquivalente: 58.000) zusätzliche Pflegekräfte benötigt: Das bedeutet ein Plus von 39 bzw. 127 Prozent gegenüber 2016. Angesichts eines drohenden Pflegekollapses müssten deshalb Maßnahmen gesetzt werden, die den Pflegeberuf deutlich attraktiver machen. Die Autoren empfehlen zum einen eine bessere Bezahlung, vor allem müssten aber auch die Arbeitsbedingungen verbessert werden, mahnen die Experten.

Die Berufsgruppe der Pflegenden wünschen sich laut Umfragen psychosoziale Begleitung, eine Einschränkung der Zahl der prekären Dienstverhältnisse, eine Verbesserung der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, der Ausbau des Angebotes an berufsbegleitenden Ausbildungsmöglichkeiten, die Einführung von Lehrberufen im Bereich der Pflege sowie die Förderung der Höherqualifizierung von Personal im Bereich der Heimhilfe und Pflege.

67 Prozent der Beschäftigten sind mit den Betreuungsquoten unzufrieden und fühlen sich überfordert. In Österreich werden durchschnittlich 49 Personen pro Nachtschicht von nur einer Pflegeperson betreut, berichtet Arbeit&Wirtschaft (online, 20.3.2019).

Laut einer Studie in Deutschland können sich 48 Prozent der ausgebildeten Pflegenden, die ihrem Beruf in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt haben, einen Wiedereinstieg in die Pflege vorstellen. Voraussetzung dafür wären verbesserte Strukturen und Arbeitsbedingungen (vgl. Hartmann #PflegeComeBack-Studie 2018). Als Gründe für den Ausstieg aus dem Pflegeberuf rangierten „enorme Arbeitsbelastung, körperlich und psychisch“ gefolgt von „hohem Zeitdruck/zu wenig Zeit für Patienten/Bewohner“ und an dritter Stelle die wachsende Bürokratie. Erst an vierter Stelle stand die Bezahlung. Schätzungen zufolge fließen bis zu 30 Prozent der Arbeitszeit in die Dokumentation, sagt Heidemarie Staflinger, Referentin der Abteilung Arbeitsbedingungen der AK Oberösterreich. Das Problem dabei sei, dass Tätigkeiten, die nicht dokumentiert werden, offiziell als nicht durchgeführt gelten.

Laut WIFO wird sich die Zahl der alten Menschen in Österreich in den kommenden Jahrzehnten sowohl absolut als auch relativ (zu jener der Jüngeren) stark erhöhen. Im Jahr 2050 werden mehr als 11 Prozent der Österreicher über 80 Jahre alt sein. 2050 übersteigt die Zahl der Älteren bereits die Millionen-Grenze (1,084 Mio.). Die Nachfrage nach Pflegekräften wird aber nicht nur wegen des Anstiegs an älteren und sehr alten Menschen zunehmen. „Durch die Alterung der Gesellschaft fallen auch potenzielle informelle Pflegepersonen in der Angehörigenpflege weg“, erklärte Co-Autorin Ulrike Famira-Mühlberger.

Während in Wien der prognostizierte Mehrbedarf an Pflegepersonen vergleichsweise gering ausfällt (plus 32 Prozent bis 2030; plus 98,8 Prozent bis 2050), wird er für Vorarlberg besonders hoch geschätzt: Im Ländle rechnet die Studie mit einem notwendigen Plus an Pflegenden alleine bis ins Jahr 2030 von 52 Prozent.

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