Bioethik aktuell

COVID: Pflegeberufe richten dringenden Appell an EU für mehr Schutzausrüstung

24-Stunden-Betreuerinnen in Österreich haben keine Masken und Desinfektionsmittel

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In einer Gemeinsamen Erklärung der europäischen Berufsorganisation der Gesundheitsberufe zu COVID_19 (online, 26.3.2020) rufen zwölf europäische Dachverbände der Gesundheitsprofessionen, darunter die European Federation of Nurses Associations (EFN) die EU auf, für mehr Schutz- und medizinische Ausrüstung in Kliniken zu sorgen. Die Covid-19-Pandemie fordere von allen Bürgern und den Gesundheitssystemen der EU derzeit einen hohen Preis. Aber vor allem habe sie immense Auswirkungen auf professionell Pflegende. Sie müssten ihre Arbeit unter noch schlechteren Bedingungen als jemals zuvor leisten, ohne genügend oder geeignete Schutzausrüstung. Oft würden sie selbst angesteckt, in einigen Fällen auch mit tödlichen Folgen, so die Pflegenden (vgl. EFN-Pressemitteilung, online, 26.3.2020).

Daher rufen EFN und andere Organisationen die Institutionen der EU, alle Regierungen der Mitgliedsländer, die Gesundheitsindustrie und andere Stakeholder im Gesundheitswesen auf öffentliche Ausschreibungs- und Beschaffungsverfahren drastisch zu beschleunigen, damit die erforderliche Schutzausrüstung für Mitarbeiter sichergestellt wird. Finanzmittel, um die vor Ort Pflegenden zu unterstützen, müssen bereitgestellt werden (vgl. Springer, online, 30.3.2020).

Alten- und Pflegeheime spielen in der Corona-Krise eine zentrale Rolle. Gerade dort können potentielle Krankenhausaufenthalte verhindert werden. Experten und Betroffene fordern daher hierzulande stärkere Anstrengungen der Politik, für eine angemessene Ausstattung in der Alten- und Krankenpflege zu sorgen (vgl. ORF, online, 31.3.2020). So hatte die Recherche-Plattform Addendum berichtet, dass den etwa 30.000 24-Stunden-Betreuerinnen in Österreich keine Masken und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt wurden (vgl. Addendum, online, 25.3.2020). Getestet wird bislang nur, wer Symptome hat und entweder in einem Risikogebiet war oder Kontakt mit Infizierten hatte. Eine massive Ausweitung der Tests für das Pflegepersonal, aber auch von gepflegten Personen - vor allem jenen in Pflegeheimen - ist dringend notwendig, um rechtzeitig die betroffenen Personen zu separieren, fordert auch die stellvertretende WIFO-Leiterin Ulrike Famira-Mühlberger (online, 24.3.2020).

Insgesamt leben zirka 77.000 Menschen in Österreich in rund 890 Alten- und Pflegeheimen. Dazu kommen rund 250.000 pflegebedürftige Menschen, die von 21.500 mobilen Pflegern und mehr als 30.000 24-Stunden-Personenbetreuern zu Hause versorgt werden. Die Zahl der Corona-Infektionen in den landesweiten Pflegeeinrichtungen nimmt zu - trotz Sicherheitsmaßnahmen und Besucherverbot. Betroffen ist nicht nur Westösterreich, auch in Oberösterreich sind mindestens zwölf Pflegeheime betroffen, in Wien zehn der 30 städtischen Einrichtungen, aus steirischen Häusern werden ebenfalls zahlreiche Fälle gemeldet, berichtet Ö1 (online, 2.4.2020).

Die am stärksten gefährdete Gruppe für schwere und tödliche Verläufe der Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) sind ältere Menschen. Die Analyse von 3665 Corona-Fällen aus China zeigen in einer im Fachjournal Lancet Infectious Diseases veröffentlichten Studie (March 30, 2020, DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30243-7), dass 18,4 Prozent der über 80-Jährigen und 16,6 Prozent der 70-jährigen Corona-Infizierten mit einem Spitalsaufenthalt rechnen müssen. Zum Vergleich: Bei den 40-49-Jährigen liegt der Anteil bei 4,3 Prozent, bei den 50-59-Jährigen bei 8,2 Prozent und bei den 60-69-Jährigen bei 11,8 Prozent. Die Todesrate lag bei den über 80-Jährigen bei 7,95 Prozent, bei Kindern unter 9 Jahre bei 0,0016 Prozent.

Eine Auswertung der ersten 89 in Zusammenhang mit COVID-19 stehenden Todesfälle zeigt, dass in Österreich bei Frauen das mittlere Sterbealter nach einer Coronavirus-Infektion bei 81 Jahren liegt, bei Männern bei 79,5 Jahren, so das Gesundheitsministerium. Nur vier der bisher 168 Todesfälle (Stand: 3.4., 9.30 Uhr) waren unter 60 Jahre alt. In allen vier Fällen gehörten die Betroffenen aufgrund schwerer Vorerkrankungen zur Risikogruppe.

Institut für Medizinische
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