Pränataldiagnostik - Segen oder Fluch?

Imago Hominis (2012); 19(4): 249-259
Jeanne Nicklas-Faust

Zusammenfassung

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Perspektive der werdenden Mutter, des Paares und hier insbesondere dem Erleben der Schwangerschaft im gesellschaftlichen Umfeld. Hierbei zeigt sich die systematische Entwicklung und Weiterentwicklung von Pränataldiagnostik in Richtung auf ein Verfahren hin, das ohne Risiken für Mutter und Ungeborenes ein Screening ermöglicht – wobei das Risiko der Abtreibung für ein behindertes Ungeborenes nicht angesprochen wird. Die Aufklärung und Beratung Schwangerer ist an vielen Stellen unzureichend. Gleichzeitig besteht die gesellschaftliche Erwartungshaltung, PND umfassend in Anspruch zu nehmen. Parallel dazu wird Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Begegnungen können Gefühle von Schuld oder Bedauern auslösen, wo sie auf einen Schwangerschaftsabbruch wegen Behinderung bezogen werden. Die Auswirkungen dieses Spannungsfeldes auf Schwangere in Entscheidungskonflikten sind unklar.

Schlüsselwörter: Pränataldiagnostik, Aufklärung und Einwilligung, gesellschaftliche Erwartungshaltung, genetisches Screening

Abstract

The following article focuses on the perspective of pregnant women and the couple especially concerning the experience in pregnancy in the society of today. The systematic development of new methods of prenatal diagnosis aims at developing a screening to identify disabilities without a risk for pregnant women and the unborn child – whereby the risk for the unborn child with disability is ignored. The informed consent is not a rule in the every day use of prenatal diagnosis. At the same time the society expects a broad practice of prenatal diagnosis. Persons with disability are nowadays more present in society and reminding of the aborted unborn child, what may cause feelings of regret or guilt. The consequences of this area of conflict are not clear.

Keywords: Prenatal Diagnosis, Informed Consent, Expectation of Society, Genetic Screening

Anschrift der Autorin:

Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust
Bundesgeschäftsführerin der Bundesvereinigung Lebenshilfe 
Leipziger Platz 15, D-10117 Berlin
Jeanne.Nicklas-Faust(at)Lebenshilfe.de






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