Über die Zumutbarkeit des Lebens: Aus religionsphilosophischem Blick

Imago Hominis (2012); 19(4): 305-314
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Zusammenfassung

Die klassische Theodizee ist in jüngster Zeit durch eine Biodizee variiert worden: durch die Anklage des Lebens als unerwünschter Zumutung. Damit gehen Sexualhedonismus ohne Fortpflanzung, Lebensfeindlichkeit und Anklage des eigenen „erzwungenen“ Geborenseins einher. Um die latente Zumutung des Lebens einigermaßen zu kontrollieren, werden Kinder „gemacht“, pränatal diagnostiziert, möglicherweise bei Krankheit oder Abänderung des Kinderwunsches selektiert. Darunter verbergen sich zwei anthropologische Konflikte: der Vorrang des eigenen rationalen Planens gegenüber einem Zulassen und die Scheu vor dem „Leidwesen Mensch“. Stattdessen wird radikal anders geantwortet, wenn Dasein nicht als Habe, sondern als Gabe gelebt wird. Die Zumutung des eigenen ungefragten Gegebenseins verweist letztlich auf einen unvordenklichen Ursprung, der nicht mit den Eltern identisch ist.

Schlüsselwörter: Biodizee, Kinderplanung, Leidwesen Mensch, Dasein als Gabe, Ursprung

Abstract

In recent times the classical theodicy has been variated by biodicy: by the accuse of life as an unwanted reasonableness. In consequence there follows sexual hedonism excluding reproduction, animosity against life und accuse of one’s own birth as a forced act. To control the latent demand as far as possible children are „made“, screened by PND, and maybe aborted if sick or if the wish for children changed. In these consequences there are to read two anthropological conflicts: the primordial rank of rational planning against admitting and the shyness in front of the „suffering character of human being“ in general. But the answer can be radically different if existence is not seen as self controlled „possession“, but as a gift. The demand of me being given to myself (without being asked) shows in the long run the way to an immemorial origin which is not identical with parents.

Keywords: Biodicee, Planning of Children, Suffering Character of Human Being, Existence as Gift, Origin

Anschrift der Autorin:

em. Univ.-Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Hochschule Heiligenkreuz/Wienerwald
Privat: Fichtestr. 5, D-91054 Erlangen
hanna-barbara.gerl-falkovitz(at)tu-dresden.de






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