Menschsein in der Demenz

Imago Hominis (2015); 22(4): 249-258
Giovanni Maio

Zusammenfassung

Um den Menschen mit Demenz gerecht zu werden, ist es wichtig, nicht nur zu fragen, was die Demenz dem Menschen wegnimmt, sondern auch und vor allem, was das Kranksein für die Betroffenen bedeutet und wie eine wertschätzende Sorge entfaltet werden kann. In dem Beitrag wird eine Ethik der Zuwendung entwickelt, mit der das Anliegen verfolgt wird, auch in den demenziell erkrankten Menschen das Unverwechselbare und Besondere zu erkennen. Selbst wenn die geistigen Prozesse abgebaut werden, so bleibt ein Mensch mit Demenz ein unverwechselbares Wesen mit eigenem Charakter, mit dem man sich beschäftigen muss. Je mehr man sich beschäftigt, desto mehr erkennt man, wie viel uns der dementiell erkrankte Mensch zu sagen hat.

Schlüsselwörter: Phänomenologie der Demenz, Anthropologie, Hermeneutische Ethik, Ethik der Sorge

Abstract

Care for patients with dementia usually includes inquiring about losses due to the illness. But of even greater importance is the individual impact on the person afflicted, since a more specific plan for care can be developed on this basis. This article deals with the ethics of human attention, which may help to recognize the individuality and distinctiveness of a dementia patient. Even as mental processes are deteriorating, a person suffering from dementia remains an individual person with his or her own specific character that is longing to communicate. The more engaged we are with the person with dementia, the more we realize how much the patient has to say.

Keywords: phenomenology of dementia, anthropology, hermeneutic ethics, ethics of caring and concern

Anschrift des Autors:

Prof. Dr. med. Giovanni Maio, M.A. phil.
Lehrstuhl für Medizinethik
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Stefan-Meier-Straße 26, D-79104 Freiburg
maio(at)ethik.uni-freiburg.de

 






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Anthropologie und Bioethik
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