Der Einfluss wissenschaftsexterner Faktoren auf den Fortschritt der „hard sciences“ nach Thomas S. Kuhn

Imago Hominis (2008); 15(1): 11-19
Josef Quitterer

Zusammenfassung

Nach Thomas S. Kuhn spielen wissenschaftsexterne Faktoren in zwei unterschiedlichen Phasen der Wissenschaftsentwicklung eine entscheidende Rolle. Zum einen in der sogenannten „normalwissenschaftlichen“ Arbeit. Dort werden die Mitglieder einer wissenschaftlichen Disziplin durch ein starres Ausbildungsritual und durch einen kleinen Kreis „eingeweihter“ Kollegen und Kolleginnen auf bestimmte Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Arbeit (Paradigma) verpflichtet, die nicht mehr infrage gestellt werden. Zum anderen spielen wissenschaftsexterne Faktoren in der revolutionären Phase der Wissenschaftsentwicklung eine entscheidende Rolle, in welcher sich die Mitglieder einer wissenschaftlichen Disziplin zwischen zwei sich widersprechenden Theorien entscheiden müssen. Die Theorienwahl ist nach Kuhn in dieser Phase durch wissenschaftsinterne Faktoren rational unterbestimmt; dies wird erst durch wissenschaftsexterne Faktoren behoben, die zum einen die Gruppe als Ganze betreffen, zum anderen aber eher in den persönlichen Bereich fallen und von Wissenschaftler zu Wissenschaftler variieren.

Schlüsselwörter: Fortschritt, wissenschaftsextern, Paradigma, Theorienwahl, „scientific community“

Abstract

According to Thomas S. Kuhn extra-scientific factors play a role in two distinct periods of the scientific development. Fist, during the period of “normal science”: Members of a scientific discipline are committed to a certain framework of scientific practice by a rigid education and by a small group of ‘initiates’ who alone can evaluate scientific success. This paradigmatic framework is not questioned during normal science. Second, extra-scientific factors play a decisive role in the “revolutionary” period of scientific development. During this period the members of a scientific discipline have to make a choice between two competing theories. According to Kuhn, theory-choice cannot be fully determined by inner-scientific criteria. A full justification of theory-choice must take into account also extra-scientific conditions, like subjective and social factors.

Keywords: scientific progress, extra-scientific, paradigm, theory-choice, scientific community

Anschrift des Autors:

ao. Univ.-Prof. Dr. Josef Quitterer
Department of Philosophy, Theological Faculty
Universität Innsbruck
Karl Rahner-Platz 1, A-6020 Innsbruck
Josef.Quitterer(at)uibk.ac.at






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