Bioethik aktuell

OECD-Bericht: Länder müssen mehr in Gesundheitspersonal investieren

Österreichische Pflegereform will Menschen für Pflegeberuf gewinnen und plant Bündnis gegen Einsamkeit

© Fotolia_54333936_Alexander_Raths

Besonders während der Coronapandemie ist der Mangel an gut ausgebildetem Personal in europäischen Ländern aufgefallen, Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Health at a Glance-Report 2020 Europe (DOI: doi.org/10.1787/23056088). Vielerorts sei es zwar gelungen, schnell zusätzliche Intensivbetten zu schaffen, meist habe aber das zusätzliche Personal gefehlt, da eine qualifizierte Ausbildung mehr Zeit brauche. Der Mangel an Personal sei in der Krise eine größere Einschränkung als der Mangel an Krankenhausbetten gewesen. Die OECD appelliert daher an die Staaten, langfristiger zu planen und vor allem mehr in ihr Ge­sund­heitspersonal zu investieren. Der Report wird alle zwei Jahre von der OECD erstellt und setzte sich mit dem Gesundheitsstatus der EU-Bürger auseinander (vgl. Bioethik aktuell 11.12.2017).

In einem gemeinsamen Positionspapier verweisen die Pflegeverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz ("DACH-Region") auf die enormen Belastungen der Pflegenden in der Pandemie und fordern die Politik zu nachhaltigen Verbesserungen auf (vgl. Springer Pflege, 23.2.2021). Die zentralen Forderungen des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands (ÖGKV) und des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) betreffen Gesundheitsschutz, psychologische Beratungs- und Begleitungsangebote, Priorität bei der Impfung für Pflegende sowie ausreichende Versorgung mit Schutzmaterialien in der Pandemie. In der zweiten Corona-Welle fühlten sich viele beruflich Pflegende nicht gut gewappnet. In einer bundesweiten Online-Befragung des DBfK gaben im Dezember 2020 rund 3.600 Pflegekräfte Auskunft über ihre berufliche Belastung: Jede/r dritte Pflegende denkt inzwischen an einen Berufsausstieg.

In Österreich hat die „Taskforce Pflege" nun ihren Ergebnisbericht (14.2.2021) vorgelegt, in dem die erste Phase des Pflegereform-Prozesses dokumentiert, aktuelle Studienergebnisse zusammengefasst und Handlungsperspektiven aufgezeigt werden. Laut Bericht fehlen in Österreich bis 2030 rund 76.000 bis 100.000 Personen im Bereich Pflege und Betreuung. 

Im Strategiepapier der „Taskforce Pflege“ werden 17 Ziele und 63 Maßnahmenfelder aus fünf Themenfeldern beschrieben: 1. Verlässlichkeit in der Pflege und Betreuung und Sicherheit des Systems, 2. Einsamkeit mindern und das Miteinander fördern, 3. Die Leistung der Pflegenden durch angemessene Rahmenbedingungen anerkennen, 4. Entlastung für pflegende Angehörige schaffen und Demenz begegnen und 5. Vorausschauend planen und gestalten.

Ein wesentliches Ziel der Pflegereform ist es, die Arbeitsbedingungen in der Pflege attraktiver zu gestalten und mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. Die Personalfrage ist die zentrale Herausforderung der Altenpflege in Österreich.

"Dass Einsamkeit als neue Not unserer Zeit entschieden und systematisch entgegengewirkt werden soll, halten wir – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie - für ein Gebot der Stunde“, sagt Caritas-Präsdident Michael Landau. Die Taskforce spricht von einem "breiten Bündnis gegen Einsamkeit" und nennt als Ziel, eine "Sorge‐Praxis und ein sorgendes Miteinander in Österreich zu stärken" - etwa durch Caring Communities, Sorgenetzwerke, Nachbarschaftshilfe und freiwilliges Engagement.

Das Bekenntnis zum flächendeckenden Ausbau – auch mobiler – Palliativ- und Hospizdienste sowie die dringend anstehende Überführung dieser in eine österreichweit einheitliche kostendeckende Regelfinanzierung gäbe "Hoffnung, dass es hier endlich zu einer tragfähigen, österreichweiten Lösung kommen wird", so Landau. Offen bliebe leider einmal mehr ein konkreter Zeitplan, also wann und wie konkret die nächsten Schritte erfolgen sollen.

 

Institut für Medizinische
Anthropologie und Bioethik
Unterstützt von: