Gesundheitssystem und (Mehr-) Klassenmedizin: System oder Missbrauch?

Imago Hominis (2020); 27(3): 195-202
Gottfried Endel

Zusammenfassung

Die Zugangsregeln eines Gesundheitssystems sind eines der Kriterien für die Beurteilung und den Vergleich der Qualität der Versorgung. Mehrklassenmedizin impliziert Unterschiede zumindest im Bereich des Zugangs zu Leistungen.
Ob diese Differenzierung eine systemimmanent korrekte Regelung, Ausdruck eines qualitativen Mangels oder eines Missbrauchs mit Eigenschaften, wie sie im Bereich der Korruption zu finden sind, darstellt, hängt davon ab, welche Leitprinzipien für die Gestaltung eines Gesundheitssystems gesellschaftlich festgelegt werden. Das Gesundheitssystem kann als Teil des Wirtschaftssystems eines Landes verstanden werden oder als soziales Gemeingut basierend auf gesellschaftlicher Solidarität und als staatliche Aufgabe. Dementsprechend wird Mehrklassenmedizin unterschiedlich bewertet. Es wird versucht das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Sichtweisen darzustellen und beispielhaft einige der möglichen Argumente abzuwägen.

Schlüsselwörter: Gesundheitssystem, soziale Gemeingüter, Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse, freier Marktmechanismus

Anschrift des Autors:

Dr. Gottfried Endel
Dachverband der Sozialversicherungsträger
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