Arbeit und Lebenssinn im Zeitalter seelischer Erkrankungen

Imago Hominis (2014); 21(2): 115-121
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Zusammenfassung

Arbeit hat drei Kennzeichen: Aktivität im Sinn von gezieltem Tun, Verändern, Verbessern; Mühe im Sinn von Einsatz aller bzw. der besten Kräfte; Funktionalität im Sinne von sozialer Interaktion. Das Ziel aller drei Kennzeichen ist organisierter, berechenbarer Nutzen. Dieser scheint als Lebenssinn, oft unausgesprochen und verdeckt, übrig.
Wird der Lebenssinn aber tatsächlich vom Funktionieren in der Arbeit abgedeckt? Es ist zu fragen, weshalb gerade eine so aufgebaute Arbeitswelt mit ihrer Effizienz zu seelischen Erkrankungen führt, Ausgebranntsein, Depression, Vernachlässigung oder Zweitrangigkeit des privaten Lebensraums: Familie, Freundschaften, Erholung, Lebensfreude. Wie dagegen verhält es sich im Gegenzug mit dem „Begegnen mit Wirklichkeit“, die nicht vom arbeitenden Tun beherrscht ist? Wie gelingt das spannungsvolle Zusammenspiel von Tun und Lassen, Mühe und Gabe, Zweck und Sinn? 

Schlüsselwörter: Arbeit, Soziale Anerkennung, Lebenssinn, Gabe

Abstract

Three criteria of „work“ can be distinguished: activity in the sense of aiming at a purpose, of changing and optimising something; effort in the sense of using all (or the best of) one’s strength, especially concerning heavy duties; functionality in the sense of social interaction. The aim of all three criteria is organized and calculable profit (not only monetary). Profit is regarded to be the sense of life, often remaining implicit and latent.
Is sense of life indeed covered by one’s function at work? Why is then such an idea of work with all its efficiency the cause of psychic sickness, especially of burnout and depressions, negligence of family, friendships, recreation and joy of life? Is there an „encounter of reality“ that is not dominated by work? Can we proceed to the interplay of doing and leaving, labour and gift, purpose and sense?

Keywords: Labour, Social Acceptance, Meaning of Life, Gift

Anschrift der Autorin:

em. Univ.-Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Hochschule Heiligenkreuz/Wienerwald
Privat: Fichtestraße 5, D-91054 Erlangen
hanna-barbara.gerl-falkovitz(at)tu-dresden.de






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