Zur Utopie oder Dystopie einer schmerzfreien Gesellschaft

Imago Hominis (2015); 22(2):103-112
Clemens Sedmak

Zusammenfassung

Der Beitrag zeichnet Konturen eines ethisch angemessenen Umgangs mit Schmerzen nach, beginnend mit der Frage, ob eine prinzipiell schmerzfreie Gesellschaft wünschenswert sein könne. Es werden sowohl die (praktischen, epistemischen, moralischen) Kosten von Schmerzfreiheit skizziert als auch die Relevanz von Schmerz als Kapital im vierfachen Sinn Bourdieus ausgewiesen. Nach einer begrifflichen Unterscheidung zwischen Schmerzen erster Ordnung und Schmerzen zweiter Ordnung sowie zwei Beispielen einer Phänomenologie von Schmerz wird der Begriff der Schmerzkompetenz an fünf Säulen erarbeitet: Schmerzherkunft, Schmerzsprache, Schmerzumgebung, Schmerzgerechtigkeit, Schmerzethik.

Schlüsselwörter: Schmerzkompetenz, Schmerzethik, Schmerzgerechtigkeit, Schmerzen erster Ordnung, Schmerzen zweiter Ordnung

Abstract

The article develops a concept of „pain competence“ based on pain foundation, pain language, pain environment, pain justice and pain ethics. It discusses the desirability of a principally pain free society and sketches the practical, epistemic and moral role of pain. It distinguishes between first order pain and second order pain and works with examples from a phenomenology of pain. It ultimately denies the question of a desirability of a painfree society but argues that pain alleviation is a strong, but not absolute duty.

Keywords: pain competence, pain ethics, pain justice, first order pain, second order pain

Anschrift des Autors:

Univ.-Prof. MMag. DDDr. Clemens Sedmak
Professor für Philosophie
Katholisch-Theologische Fakultät
Universität Salzburg
Zentrum für Ethik und Armutsforschung
Mönchsberg 2a, A-5020 Salzburg
clemens.sedmak(at)sbg.ac.at







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