Grenzen der Wissenschaft

Imago Hominis (2009); 16: 309-316
Helmut Kohlenberger

Zusammenfassung

Die biblische Botschaft von der Schöpfung hat den geschlossenen Kosmos der Antike durchbrochen und den Raum der Neuzeit eröffnet. Dies wurde paradigmatisch deutlich mit dem kirchlichen Veto gegen aristotelische Lehren an der Universität Paris im Jahre 1277. Der offene („unendliche“) Raum wurde seit dem Ende des 15. Jahrhunderts von den mathematisch-empirischen Wissenschaften verstärkt und der Technologie besetzt. Seit dem Zeitalter der Revolution steht die angewandte Wissenschaft unter dem Motto der Autonomie, sowie der Legitimation und Operationalisierung von Herrschaft („Wissen ist Macht“). Mit dem Weltbürgerkriegszeitalter setzte auch innerhalb der Forschung die Einsicht in die Grenzen des Wissens ein, die sich u. a. im Abschied von einer Einheitswissenschaft, in der Reduktion von „Wahrheit“ auf „Wahrscheinlichkeiten“ zeigt, sowie in der wachsenden Bedeutung der ökologischen Fragen. In der Automatisierung tendenziell aller Lebensbedingungen vollziehen sich indes weiterhin (szientifisch-ökonomische) Standardisierungen.

Schlüsselwörter: Raumzeit, Autonomie, Wahrscheinlichkeit, Automatisierung, Biopolitik

Abstract

The biblical story of Creation broke through the discrete and well-defined cosmos of antiquity and ushered in the wide open space of modern times. This became clear in 1277 with the Church’s veto against Aristotelian teaching at the University of Paris. The open (or infinite) space was increasingly supported by the mathematic-empirical sciences and, since the end of the 15th century, became the domain of technology. Since the Age of Revolution, the applied sciences have become increasingly autonomous and have been legitimized by their dominance (“knowledge is power”). With worldwide civil wars, scientific research then began to develop an understanding of the limits of knowledge. This resulted in a fragmentation of the unity of the sciences, the reduction of “truth” into “likelihood” and a growing recognition of the importance of ecological questions. There is now a tendency to automate all aspects of life, accompanied by (scientific-economic) standardization.

Keywords: Space-time, Autonomy, Probability, Automation, Bio-politics

Anschrift des Autors:

Dr. Helmut Kohlenberger
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