Anderssein. Zur Bipolarität der Geschlechter

Imago Hominis (2010); 17(4): 305-314
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Zusammenfassung

Um die Bedeutung der Zweigeschlechtlichkeit in ganzer Breite aufzuspannen, bedarf es eines wachen Blicks auf die zeitgenössischen Abschwächungen dieses Themas. Erstaunlich folgerichtig wurden mehrfache Versuche unternommen, den Wirklichkeitsgehalt des Geschlechtes zu verdünnen – es als beliebig überschreibbar, nur sprachlich normiert, kulturell veränderbar, auf jeden Fall als kontingent hinzustellen. Dabei spart der verengte Blick (bewusst?) blinde Flecken aus, obwohl sie geradezu ins Auge fallen. Wieso Verengung? Scheinbar erweitert sich zunächst der Spielraum des Geschlechts: homo-, hetero-, bi-, trans- und auto-sexuell kann „Jedes“ seinen Körper geschlechtlich beschriften. Aber: Bietet sich der Leib wirklich widerstandslos, ja nichtig als „vorgeschlechtlicher Körper“ an? Die These lautet: In all dem bleibt seine Bipolarität verdeckt erhalten, sie ist nicht zu unterlaufen, sie allein verleiht Leben.

Schlüsselwörter: Leib, Gender-Ideologie, unhintergehbare Zweigeschlechtlichkeit, Person und Geschlecht, anthropologische und biblische Horizonte

Abstract

Any attempt to grasp the entire scope of existence of two distinct sexes requires an alert mind to realize the ongoing attenuation of this subject. Amazingly, repeated logical attempts have been made to dilute the impact on reality of considering gender interchangeable, solely based on normative terminology, and as something culturally variable and contingent. This increasingly narrow vision ignores (intentionally?) certain areas which present themselves, in fact, as only too obviously. It first seems that the frame of sexes/genders has been extended: homo-, hetero-, bi-, trans- and auto-sexual now enable anybody to put a specific “tag” onto his or her body. But does a human being – in reality and without objections – really come into existence as a “pre-sexual” body? Such a thesis might read: The bipolarity of the body is covertly maintained and cannot be avoided as it is the source of life itself.

Keywords: Living Body, Gender Ideology, Unextinguishable Bipolarity, Person and Sexuality, Anthropological and Biblical Horizons

Anschrift der Autorin:

Univ.-Prof. DDr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Lehrstuhl für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaften, Technische Universität Dresden
D-01062 Dresden
gerl(at)rcs.urz.tu-dresden.de






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