Die Wandlung der Perspektive des Lebens durch Schmerz

Imago Hominis (2014); 21(3): 279-286
Johannes Bonelli, Susanne Kummer

Zusammenfassung

Rein biologisch gesehen ist der Schmerz ein sinnvolles und nützliches Warnsignal. Schmerz und Leid stehen für den Betroffenen aber auch für Negativität, die Erfahrung des „Nicht-Sein-Sollenden“. Sie werfen ihn zurück auf die Kontingenz des menschlichen Lebens, lassen eine Weise des Ausgeliefertseins und der eigenen Grenzen erleben. Im medizinischen Alltag lässt sich beobachten, dass die Erfahrung von Krankheit und Leid eine Chance im Leben ist, sich umzuorientieren. Wo der Betroffene offen ist, stellt er sich bedingt durch die neuen Lebensumstände den wesentlichen Fragen des Daseins, der Wahrheit über sich selbst und des Sinn des Lebens. Kranke Menschen brauchen Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Solidarität. Die Qualität des Umgangs mit dem Leidenden ist Barometer für Werthaltungen und gelebte Menschlichkeit in einer Gesellschaft.

Schlüsselwörter: Schmerz, Leid, Solidarität, Sinn des Leidens, Selbsterkenntnis, Mitleid

Abstract

In a purely biological sense, pain is a meaningful and useful warning signal. Its negative aspect is the experience of something that “should-not-be”, confronting one with the contingency of life and one’s own physical limitations. However, sickness and suffering have been observed in everyday medical practise to serve as opportunities for patients to change the orientation of their lives, encouraging an open-minded consideration of the fundamental questions of existence, truth and the meaning of life. Sick people need compassion, assistance and solidarity. The way in which those who are suffering are treated by others is a barometer of the values and the humanity in a society.

Keywords: pain, suffering, solidarity, meaning of suffering, self-knowledge, compassion

Anschrift der Autoren:

Univ.-Prof. Dr. Johannes Bonelli, Direktor
Mag. phil. Susanne Kummer, Geschäftsführerin
IMABE
Landstraßer Hauptstraße 4/13, A-1030 Wien
bonelli@imabe.org
skummer(at)imabe.org






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