„Ich will nicht mehr“ – dieser Satz begegnet Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachkräften und Seelsorgern immer wieder. Doch was steckt dahinter? Ein Hilferuf, ein Ausdruck tiefer Erschöpfung, ein Wunsch nach Kontrolle über das eigene Sterben – oder die Bitte um bessere Begleitung? Fünf Jahre nach Inkrafttreten des österreichischen Sterbeverfügungsgesetzes nimmt das IMABE-Symposium 2026 am 6. November in Wien diese Frage in den Mittelpunkt: Was bedeutet ein Sterbewunsch – und wie sollen Medizin, Pflege und Gesellschaft darauf antworten?
Zwischen Suizidalität und Sterbebegleitung
Sterbewünsche sind komplex. Sie entstehen nicht im Vakuum, sondern im Kontext von Schmerz, Einsamkeit, Kontrollverlust und dem Gefühl, zur Last zu fallen. Die Suizidologin Ute Lewitzka (Goethe-Universität Frankfurt) wird zeigen, welche Faktoren Suizidalität begünstigen – und warum Prävention immer Vorrang haben muss. Dass Palliative Care dabei weit mehr leisten kann, als vielfach bekannt ist, wird Gudrun Kreye, Präsidentin der Österreichischen Palliativgesellschaft, darlegen. Gute Schmerztherapie, psychosoziale Begleitung und das Ermöglichen eines würdevollen Sterbens sind keine Alternativen zur Selbstbestimmung – sie sind deren Voraussetzung.
Was „Sterbehilfe“ mit uns macht
Der Eröffnungsvortrag des deutschen Medizinethikers Giovanni Maio (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) fragt nach den Grenzen des Helfens – und danach, was es bedeutet, wenn Medizin beim Sterben nicht mehr begleitet, sondern es herbeiführt. Susanne Kummer, Ethikerin und Direktorin von IMABE, beleuchtet die sozialethischen Veränderungen, die assistierter Suizid in europäischen Gesellschaften ausgelöst hat: Wie verschiebt sich das Bild vom leidenden, aber auch vom älteren Menschen, wenn Selbsttötung als selbstbestimmte Lösung gilt? Welche stillen Botschaften sendet eine Gesellschaft an jene, die krank, alt oder pflegebedürftig sind?
Fünf Jahre Sterbeverfügungsgesetz: eine kritische Bilanz
Ein eigenes Panel widmet sich der österreichischen Rechtslage. Wolfgang Mazal (Universität Wien) analysiert, wie Gewissensfreiheit im Spannungsfeld des Sterbeverfügungsgesetzes rechtlich geschützt ist. Gemeinsam mit Ursula-Maria Fürst (Barmherzige Brüder Salzburg), Werner Mühlböck (Tiroler Hospiz Gemeinschaft) und Veronika Prüller-Jagenteufel (Caritas St. Pölten) wird diskutiert, was sich in Institutionen, Teams und in der Beziehung zu Patientinnen und Angehörigen verändert hat – und worüber wir dringend sprechen müssen.
Für alle, die an der Seite sterbender Menschen arbeiten
Das Symposium richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachkräfte, sowie Fachkräfte im Bereich Klinische Gesundheitspsychologie, Psychotherapie, Physiotherapie, Seelsorge, Ethikberaterinnen und alle, die in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen tätig sind. Fortbildungspunkte werden für mehrere Berufsgruppen vergeben.
Termin: Freitag, 6. November 2026, 9.00 bis 16.00 Uhr
Veranstaltungsort: Raiffeisenhaus Wien | Raiffeisen Forum | Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1 | 1020 Wien
Tagungsgebühr: 130 Euro / Auszubildende: 60 Euro
Das Programm und alle Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.