Viele schwangere Frauen stehen unter Druck, wenn sie eine Abtreibung durchführen lassen. Über 70 Prozent der Frauen, die mindestens eine Abtreibung hatten, taten dies entgegen ihren eigenen Wünschen und Werten. So lautet das Ergebnis einer 2025 im Journal of Psychosomatic Obstetrics & Gynecology erschienenen Studie unter 1.900 US-Amerikanerinnen.
35,5 Prozent hatten die Abtreibung zwar akzeptiert, aber dennoch als ihren Wünschen und Werten widersprechend erlebt. 22 Prozent bezeichneten sie als explizit ungewollt und 12,7 Prozent fühlten sich sogar dazu gezwungen. Nur 29,8 Prozent der Frauen beschrieben die Abtreibung als gewollt und mit ihren Werten vereinbar. Für die Studie wurden Frauen zwischen 41 und 45 Jahren mithilfe eines Online-Umfragetools zu ihren Schwangerschaften und Abtreibungen befragt.
Anhaltende Trauer nach Abtreibung größer, wenn sie nicht gewollt war
Die Auswertung zeigt außerdem: Jede zweite Frau, die sich zur Abtreibung gezwungen gefühlt hat, litt anschließend an einer anhaltenden Trauerstörung. Trauer ist per ICD-11-Definition dann krankhaft, wenn Trauersymptome wie die ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Verlust, intensive emotionale Schmerzen oder die Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens länger als zwölf Monate anhalten.
Ähnlich hoch ist das Risiko bei Frauen, die eine ungewollte Abtreibung erlebt hatten (22 Prozent der Befragten): Ihre Trauersymptome sind vergleichbar mit denen nach einer Fehlgeburt. Fast 40 Prozent der Frauen in beiden Gruppen gaben an, dass ihre schlimmsten negativen Gefühle und psychischen Probleme „bis heute andauern“ – obwohl die Umfrage im Schnitt 20 Jahre nach diesen Verlusten stattfand. Deutlich weniger Trauersymptome berichteten hingegen die 29,8 Prozent, die ihre Abtreibung als gewollt bezeichneten.
60 Prozent hätten das Kind ausgetragen bei besserer Unterstützung
Zu ähnlichen Ergebnissen kamen schon frühere Studien des Elliot Institute. So ergab eine Umfrage im Jahr 2023 unter knapp 1.000 Teilnehmerinnen, dass 61 Prozent der Frauen unter starkem Druck standen, einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. Der Druck ging bei einem Drittel vom familiären Umfeld aus (34 Prozent), sowohl vom Kindesvater (31 Prozent) als auch anderen Familienmitgliedern (24 Prozent). Mehr als die Hälfte der Frauen (54 Prozent) gab zudem finanziellen Druck an (Bioethik Aktuell 14.04.2023).
60 Prozent der Frauen berichteten außerdem, dass sie das Kind ausgetragen hätten, wenn sie zum Zeitpunkt der Entscheidung mehr Unterstützung von anderen bekommen oder über größere finanzielle Sicherheit verfügt hätten (Bioethik Aktuell 05.06.2023). Die Studien deuten darauf hin, dass Frauen in vielen Fällen zu ihrem Kind stehen wollen, jedoch familiärer Druck oder mangelnde finanzielle Sicherheit zu einer Abtreibung führen.
Druck von anderen Personen, die Schwangerschaft zu beenden, ist einer von 15 Faktoren für psychische Probleme nach einer Abtreibung. Das stellte die American Psychological Association (APA) bereits 2008 fest. Andere Faktoren sind laut APA auch der Abbruch einer eigentlich gewollten oder als sinnvoll empfundenen Schwangerschaft, der wahrgenommene Widerstand gegen die Abtreibung durch den Partner, die Familie oder Freunde sowie Mangel an sozialer Unterstützung (IMABE-Studie 2023, 38: Schwangerschaftsabbruch und Psyche: eine qualitative Studienanalyse).
Entscheidung der EU fördert Abtreibung statt Unterstützung
Dieser Druck auf Frauen wird in Europa nun vermutlich steigen – und damit auch das Leid nach ungewollter Abtreibung. Die EU-Kommission hat am 26.2.2026 beschlossen, dass Mitgliedsstaaten künftig grenzüberschreitende, „sichere und legale Abtreibungen“ mit Steuergeldern der Bürger Europas bezahlen können. Zwar lehnte die Kommission die Forderung der Bürgerinitiative "My Voice, my Choice" es ab, ein eigenes Finanzinstrument für dieses Anliegen zu schaffen, verwies aber auf den Europäischen Sozialfonds (ESF+), über den die Mitgliedsländer zukünftig auch Abtreibungsdienste finanzieren können. Schweden könnte in Zukunft Frauen aus Ländern wie Polen oder Malta, wo das ungeborene Kind noch einen höheren Rechtsschutz genießt, eine Abtreibung samt Reisekosten finanzieren.
Scharfe Kritik an der Entscheidung übt der ehemalige EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg. „Die EU-Verträge werden missachtet“, kritisiert Borg in einer Stellungnahme. Abtreibung falle nicht in die Zuständigkeit der EU. Es sei „Zynismus in Reinform“, die Gelder aus dem Sozialfond auf Abtreibung auszuweiten. Der ESF+ solle eigentlich Inklusion fördern und Familien mit Kindern vor der Armut bewahren. „Es ist, als würde die Kommission sagen: Wir helfen Ihnen bei Ihren finanziellen Problemen — hier ist Geld, um das Leben Ihres Kindes zu beenden.“ Abtreibung als medizinische Notwendigkeit einzustufen, verzerre die Natur der Sache: „Sie heilt keine Erkrankung, sondern beendet absichtlich ein sehr junges menschliches Leben.“
Tonio Borg ist Präsident der Bürgerinitiative ONE OF US, die sich seit 2012 für den Schutz menschlicher Embryonen, insbesondere im Kontext der Stammzellenforschung, einsetzt. Mit über 1,8 Millionen Unterschriften bleibt One Of Us die bisher erfolgreichste Bürgerinitiative der EU und zeigt, wie hoch die Sensibilität der EU-Bürgerinnen und Bürger für den Schutz des Ungeborenen ist.
Mit der kürzlichen Entscheidung der EU steht nun auch in Ländern, in denen es bisher nicht legal war, stets die Option im Raum, sich eine Reise ins Ausland zahlen zu lassen, um eine Abtreibung zu bekommen. Damit erhöht sich der Druck auf Schwangere hin zu einer Abtreibung, etwa mit dem Verweis, sie könne doch ins Nachbarland fahren, um einen Abbruch vornehmen zu lassen, noch dazu kostengünstig.
Was heißt „sichere Abtreibung“?
Die Rede von sogenannten „sichere Abtreibungen“ muss zudem hinterfragt werden. Denn risikofrei ist eine Abtreibung nie. Frauen haben beispielsweise nach einem Schwangerschaftsabbruch ein höheres Risiko für Fehlgeburten. Ein Forscherteam untersuchte die sogenannten Schwangerschaftsabfolgen (Abtreibungen/Fehlgeburten/Geburten) von über 5.000 Frauen über einen Zeitraum von 16 Jahren. Das Ergebnis einer US-Studie (2025): Mit jeder Abtreibung erhöht sich danach das Risiko einer Fehlgeburt um 24 Prozent, während es bei einer natürlichen Fehlgeburt nur um 15 Prozent steigt.
Psychische Folgen: Höheres Risiko nach Abtreibung als nach Geburt
Eine Langzeitstudie aus Kanada mit 1,2 Mio. Schwangerschaften ergab, dass Frauen nach einer Abtreibung zudem ein 2,5-mal höheres Risiko für psychiatrische Klinikeinweisungen als nach einer Geburt. Psychische Gesundheitsprobleme (z. B. Depression, Angststörungen, Essstörungen, Substanzgebrauchsstörungen und Suizidversuche) traten nach Abtreibungen häufiger auf als nach Geburten (Bioethik Aktuell, 01.10.2025).
Politik muss die Realität der Frauen ernst nehmen
Angesichts dieser Datenlage ist der Begriff „sichere“ Abtreibung unvollständig. Dieser lässt außer Acht, dass der Abbruch in den meisten Fällen ein risikobehaftetes und belastendes Ereignis ist. Sie zeigt, dass sich viele Frauen nicht frei für eine Abtreibung entscheiden, sondern unter Druck – und häufig gegen ihr eigenes Empfinden. Die Politik darf diese Realität nicht ignorieren. Statt Abtreibung strukturell zu fördern, sollte sie die tatsächlichen Bedürfnisse Schwangerer ernst nehmen und ihnen positive Perspektiven eröffnen, um ihr Kind zu bekommen: dazu zählen finanzielle Sicherheit und soziale Unterstützung.