Bioethik aktuell

Schwangerschaftsabbruch: Abtreibungspille erhöht Gesundheitsrisiken für Frauen

Medikamentöse Abtreibung verdoppelt das Risiko für eine Notfalleinweisung ins Krankenhaus

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Seit den 1990er Jahren ist der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch mittels Mifepristone (Handelsname des Präparates: Mifegyne) in zahlreichen Ländern erlaubt, seit 2000 auch in den USA. In Österreich wurde Mifegyne 1999 zugelassen. Mit Juli 2020 können Frauen die Abtreibung auch Zuhause vornehmen. Abbrüche mit der "Abtreibungspille" müssen nicht mehr unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus stattfinden, auch Gynäkologen im niedergelassenen Bereich dürfen Präparate aushändigen. „Das Medikament Mifegyne ist die Alternative zum chirurgischen Schwangerschaftsabbruch und gilt als eine der sichersten Methoden", lautete die Begründung aus dem Gesundheitsministerium (vgl. Standard, 2.7.2020) in Corona-Zeiten. Auch die FDA erwägt derzeit eine Lockerung des Zugangs zur Abtreibungspille.

Medikamentöse Abtreibungen werden als sanft und sicher angeboten. Doch sind die gesundheitliche Risiken für Frauen tatsächlich so harmlos? Dazu wurde nun die Ergebnisse der ersten umfassenden Studie zum Verhältnis von Schwangerschaftsabbruch und Spitalsnotfallaufnahme publiziert.

Das Risiko für Frauen nach einer medikamentösen Abtreibung in eine Notfallaufnahme eingeliefert zu werden, ist um 53°% höher als wenn der Abbruch chirurgisch durchgeführt wird. Gründe sind vor allem schwere Blutungen, unvollständige Abtreibung des Fetus, Infektionen nach dem Abort sowie Wechselwirkungen aufgrund von Vorerkrankungen. Außerdem ist der Zuwachs an abtreibungsbedingten Notaufnahmen innerhalb von 30 Tagen nach einer chemischen Abtreibung wesentlich höher als bei chirurgisch durchgeführten Abtreibungen. Das ist das Ergebnis der im Fachjournal Health Services Research and Managerial Epidemiology First Published November 9, 2021 https://doi.org/10.1177/23333928211053965 ) publizierten Studie.

Der immer leichtere Zugang zur Abtreibungspille korreliert mit höheren Gesundheitsrisiken für Frauen und belastet damit auch das Gesundheitssystem, so das Fazit der Autoren. Sie appellieren an die FDA, diese Fakten bei der Bewertung der Risiken einer medikamentösen Abtreibung nicht auszublenden. „Die Sicherheit chemischer Abtreibungen wird stark übertrieben. Tatsächlich stellt die zunehmende Dominanz chemischer Abtreibungen und ihr unverhältnismäßiger Beitrag zur Morbidität in der Notaufnahme eine ernsthafte Belastung aus Public Health Perspektive dar“, fasst Studienleiter James Studnicki vom Charlotte Loizier Institute die Ergebnisse zusammen.

Alleine zwischen 2002 und 2015 stieg der Anteil der medikamentösen Abtreibungen von 4,4 auf 34,1°%. Spitalsnotaufnahmen stiegen in dieser Gruppe gleichzeitig um das Sechsfache: von 8,5 auf 51,7/1.000 Abtreibungen. Auch bei chirurgisch durchgeführten Abtreibungen stieg die Zahl der Notaufnahmen (von 5,3 auf 22,0/1000 Abtreibungen). Deutlich wurde, dass Frauen, die schon einmal die Abtreibungspille angewendet hatten, bei einer zweiten innerhalb von 12 Monaten durchgeführten Abtreibung ein doppelt so hohes Risiko für eine Notfalleinweisung aufwiesen.

Im Zuge der Datenanalyse fanden die Wissenschaftler heraus, dass mehr als 60 Prozent der Notaufnahmen nach medikamentöser Abtreibung fälschlicherweise als „spontane Fehlgeburten“ eingetragen wurden. Die tatsächlichen Gefahren dieser Methode seien dadurch verschleiert und die Frauen nicht fachgerecht behandelt worden.

Für die Längsschnittstudie analysierten die Wissenschaftler Daten der Medicaid-Versicherung von 1999 bis 2015 von insgesamt 423.000 bestätigten Abtreibungen und 121.283 bestätigten Spitalsnotaufnahmen innerhalb von 30 Tagen nach der Abtreibung. Die Frauen (Alter: ab 13 Jahre) stammten aus 17 verschiedenen US-Bundesstaaten, in denen allesamt Abtreibungen staatlich finanziert werden.

"Für Österreich gibt es immer noch keine Abtreibungsstatistik, weshalb dazu keine Daten vorliegen", bemängelt IMABE-Geschäftsführerin Susanne Kummer. In Zeiten von Corona gäbe es immer mehr Internetanbieter, die Frauen in Not die Präparate zuschicken, ohne dass eine ärztliche Begleitung sichergestellt ist. Kaum thematisiert würden die psychischen Belastungen für Frauen, die oftmals allein gelassen das Präparat in ihrer Wohnung einnehmen, nicht selten unter Druck oder aus Scham, so Kummer.

Laut offizieller Statistik in Deutschland wurden zwischen Jänner und Juni 2021 die meisten vorgeburtlichen Kindstötungen (52 Prozent) mit der Absaugmethode durchgeführt, bei 32 Prozent kam die Abtreibungspille Mifegyne zum Einsatz. Der Großteil der Abtreibungen erfolgte dabei ambulant. Im Jahr 2020 gab es in Deutschland 99.948 Abtreibungen, davon wurden 28.953 mit Mifepristone durchgeführt.

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