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Sterbehilfe: Österreichischer Presserat rügt mediale Suizid-Ankündigung

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Der Österreichische Presserat kritisiert die Berichterstattung über einen Prominenten, der sich durch assistierten Suizid das Leben nahm. Ärzte stimmen zu und fordern mehr Aufklärung über psychosoziale Unterstützungsangebote und Palliativmedizin.

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Im September 2025 sorgte ein assistierter Suizid in Österreich für eine breite öffentliche Debatte (Die Presse, 05.09.2025). Der Journalist und Autor Niki Glattauer kündigte an, sich das Leben zu nehmen. Im Vorfeld veröffentlichte die Wiener Wochenzeitung „Der Falter“ einen Artikel, einen Podcast und ein Video, in denen Glattauer zu seinem geplanten Suizid ausführlich interviewt wird. Damit hat das Medium gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse verstoßen, heißt es nun in einer Rüge des Österreichischen Presserats. (OTS, 09.07.2026) Die plakative Ankündigung des Suizids verstoße gegen Punkt 12 des Ehrenkodex, wonach bei der Berichterstattung über Suizid große Zurückhaltung geboten sei.

Suizid wird als gute Lösung dargestellt

Mehrere Leser und Hörer hatten die Interviews mit Glattauer als „reißerisch und sensationell“ beanstandet. Es werde eine „Anleitung zum Suizid“ liefern und es „bestehe Nachahmungsgefahr“, heißt es in der Meldung des Presserats. (OTS, 09.07.2026) Der Suizid würde als mutiger Schritt bzw. geeignete Lösung beschrieben. Damit, argumentiert der Presserat, könne ein unterschwelliger sozialer Druck für unheilbare kranke Personen entstehen, den assistierten Suizid als „würdige Lösung“ wählen zu müssen, um anderen nicht zur Last zu fallen.

Das Datum des geplanten Suizids wurde vorab bekannt gegeben

Der Presserat kritisierte insbesondere, dass das Interview wenige Tage vor der Durchführung veröffentlicht wurde und Tag sowie ungefähre Uhrzeit des Todes im Artikel vorkommen. So wurde die Neugier der Leser, ob der Betroffene den Entschluss wirklich umsetze, geweckt. Dies kreiere eine Art Druck für Glattauer, sich danach nicht mehr umentscheiden zu können. „Dabei spielt es eine Rolle, dass Menschen, die sich für einen assistierten Suizid entscheiden, oft im letzten Moment davon zurücktreten.“, so der Presserat.

Assistierter Suizid – die einzige Möglichkeit für einen würdevollen Tod?

Die Berichterstattung vermittle außerdem den Eindruck, dass assistierter Suizid bei schwerer Krankheit die einzige Möglichkeit sei, in Würde zu sterben. Der Presserat hält fest, dass es vorteilhaft gewesen wäre, „stärker auch auf die am häufigsten gewählte Alternative von sterbenskranken Menschen zum assistierten Suizid einzugehen, nämlich auf die Palliativbetreuung“. Diese Darstellung käme eindeutig zu kurz. Um die Leser umfassend über dieses sensible Thema zu informieren, hätte man zusätzlich einen Hospizpatienten oder einem Palliativmediziner interviewen können, um das „selbstbestimmte Lebensende“ nicht exklusiv aus der Perspektive des assistierten Suizids darzustellen.

Die Perspektive der Palliativmedizin kommt zu kurz, sagen Fachleute

Dass die Palliativmedizin in der Berichterstattung zu kurz kommt, ist auch die Sorge namhafter österreichischer Fachexperten. In einem im Standard (20.06.2026) erschienenen Kommentar zeichnen Gudrun Kreye (Präsidentin der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG), Thomas Kapitany (Ärztlicher Leiter des Kriseninterventionszentrum), Christa Radoš (Ärztliche Leiterin des Psychiatrischen Therapiezentrums Kärnten) u.a. ein alternatives Bild vom Lebensende und psychischen Krisen.

Die Experten werfen Fragen zum Umgang mit dem Leid auf – vor dem niemand dauerhaft geschützt werden kann. Sie unterstreichen die Relevanz von Suizidprävention, Palliativmedizin und psychosozialer Versorgung, die für einen umfassendes Verständnis von Krisensituationen zentral seien. In den Medien fänden diese Alternativen zum assistierten Suizid überraschend wenig Stimmen.

Palliativmedizin kann mehr als man denkt

Ängste vor starken Schmerzen, Gefühle von Ausweglosigkeit, psychische Notlagen, Einschränkungen oder die Vorstellung durch Autonomieverlust in ein würdeloses Leben zu geraten, können zu dem Wunsch nach dem Sterben führen – das gilt für den Suizid wie für den assistierten Suizid. Die moderne Palliativmedizin und die psychosoziale Versorgung sind heute allerdings sehr gut in der Lage gerade diese Leides- und Krisenzustände „ausreichend zu lindern oder gar abzuwenden.“ Vor allen von der Leistung der Palliativmedizin viele Menschen wenig Vorstellung, so die Experten. „Sie lindert Schmerzen, nimmt Angst, gibt Orientierung, entlastet Angehörige und hilft Lebensqualität zu erhalten. Aus der Praxis wissen wir: Wenn Symptome gelindert werden und Menschen sich gut begleitet fühlen, werden Wünsche nach einem assistierten Suizid meist aufgegeben.“

Assistierte Suizide werden romantisiert, Leiden und Sterben sind tabu

Als höchst relevant sehen die Experten ebenso die Art und Weise, wie assistierter Suizid medial thematisiert wird. Aus der Forschung ist seit langem bekannt, wie romantisierte Suizide zu mehr Suiziden führen. Beim Suizid sei es den österreichischen Medien gelungen, das Thema auf präventive Art zu thematisieren und wertvolle Informationen zu liefern. Die Anzahl der Suizide hat kontinuierlich abgenommen.

Beim assistieren Suizid hingegen herrscht in dieser Hinsicht Nachholbedarf, so die Experten. Eine Analyse zeigt, dass dieses Thema häufig und oft einseitig positiv aufgegriffen wird, zum Beispiel werden dabei selten Hilfsangebote für Menschen in psychosozialen Krisensituationen angeboten.

Besonders problematisch sei die Gleichsetzung des assistierten Suizids mit einem „Sterben in Würde“. Das sei laut den Experten wenig reflektiert und „kaschiert tieferliegende Ängste“. Sterben sei noch immer Tabuthema und werde medial nicht positiv aufgegriffen. So werden Ängste vor dem Lebensende und seinen Herausforderungen, vor schwerer Krankheit, vor Autonomieverlust und dem Sterben selbst nicht aufgearbeitet und bleiben weitverbreitet.

Eine humane Gesellschaft schützt leidende Menschen

Die Experten sehen in genau dieser einseitigen Darstellung eine Gefahr: Dass das Voranstellen dieser „Lösung“ die Tabuisierung herausfordernder Lebenssituationen weiter bestärkt - und dass so Unterstützungsangebote – wie Palliativmedizin - für alte oder schwer kranke Menschen nicht mehr ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die vermeintliche Autonomie könne schnell zu einer gewünschten Lösung bei hohem Pflegebedarf werden. Dieser Trend zeichnet sich in Ländern wie Kanada bereits heute ab. Eine humane Gesellschaft aber müsse besonders leidenden Menschen Schutz und Fürsorge bieten, schließen die Experten.

Institut für Medizinische
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